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Veröffentlicht am 13.08.2018  Geschrieben von Prof. Dr. Julia Knopf, Jannick Eckle

Apps für die Sprachförderung

Digitale Medien können die Sprachförderung unterstützen. Magazin Meine Kita stellt passende Sprach-Apps vor.

Die Schlaumäuse haben es gemütlich. Rote Sofasessel, gelbe und blaue Kissen liegen darauf, neben einem hohen Bücherregal und einem Schlafzimmer. Hier leben die kleinen Mäuse. Sie zeigen ihr Zuhause gern her. „Das ist unser Sofa, hier machen wir es uns gemütlich“, erzählen sie, wenn man auf einem Tablet oder Handy mit dem Finger über das Sofa wischt. Die Schlaumäuse sind eine App. Mit der Anwendung können pädagogische Fachkräfte die Sprachkompetenz von Kindern fördern.

 

Grundlegend für die sprachliche Entwicklung eines Kindes ist ein anregungsreiches Sprachumfeld. Dieses kann man jedoch nicht immer voraussetzen. Die Förderung von Sprachkompetenz ist daher bereits im Elementarbereich wichtig. Digitale Medien bieten hier großes Potenzial. Mithilfe bestimmter Apps lässt sich Sprachkompetenz bereits im Vorschulalter fördern. Doch was genau ist Sprachkompetenz? Diese kann laut Sprachwissenschaftler Claudio Nodari nach vier Dimensionen unterschieden werden:

 

  • Sprachliche Kompetenz
    Unter sprachlicher Kompetenz versteht man alle rezeptiven, produktiven und kognitiven Leistungen der Sprache. Gelingt es dem Kind auf der rezeptiven Ebene, alle wesentlichen Informationen aus einem mündlichen oder vielleicht sogar schon schriftlichen Text zu entnehmen und zu verarbeiten? Ist es in der Lage, selbst eigene Äußerungen mündlich oder im letzten Kindergartenjahr sogar schon schriftlich zu produzieren? Verfügt es kognitiv über einen ausreichenden Wortschatz und über grammatische Strukturen?
  • Soziolinguistische Kompetenz
    Unter soziolinguistischen Kompetenzen werden alle kulturabhängigen Regeln und Normen einer Sprachgemeinschaft verstanden. Wie spreche ich mit meinen Erziehern und wie mit meinen Freunden? Wie bedanke ich mich für etwas? Wie drücke ich Mitgefühl aus? Vermittelt werden solche soziolinguistischen Kompetenzen durch familiäre Vorbilder, Freunde, aber auch durch Erzieher.
  • Sprachlogische Kompetenz
    Um Beiträge zusammenhängend zu gestalten und zu verstehen, benötigen Kinder sprachlogische Kompetenz. Wie hängen die Ereignisse zusammen, von denen ich erzähle? Wie lassen sich die einzelnen Teilereignisse sprachlich vernetzen oder verbinden?
  • Strategische Kompetenzen
    Wo Sprache zum Einsatz kommt, tauchen nicht selten auch Verständigungsprobleme auf. Um diese auflösen zu können, benötigen bereits Kinder im Vorschulalter strategische Kompetenzen. Erkennt das Kind selbstständig Probleme in der sprachlichen Verständigung? Wie geht es mit ihnen um? Wie können Kinder vorgehen, wenn ihnen die passenden Worte fehlen?

 

APPS ZUR SPRACHFÖRDERUNG

Sprachkompetenz und Bildungserfolg hängen eng zusammen. Gerade für Kinder mit Fluchterfahrung oder einem anregungsarmen Umfeld ergeben sich daraus deutliche Nachteile.

 

Die Schlaumäuse

Mit den Schlaumäusen lassen sich vor allem die sprachlichen Kompetenzen eines Kindes fördern. Gemeinsam mit den Figuren Lingo und Letto begeben sie sich ins Land der Sprache und erleben dort spannende Abenteuer. Egal ob am „Wörtersee“, am „Redefluss“ oder an der „Eselsbrücke“ – an diesen Schauplätzen können Kinder handelnd und experimentell mit Sprache umgehen und Hörverstehen sowie erste Vorläuferfähigkeiten für den Schriftspracherwerb trainieren. Mittlerweile bietet die App in den Einstellungen die Möglichkeit, die Spielanweisung in anderen Sprachen anzuwählen. So können auch Kinder mit anderen Herkunftssprachen die App nutzen und dabei ihre Sprachkompetenz trainieren. Die App ist kostenlos und kann sowohl auf Windows-, Android- sowie iOS-Geräten installiert werden. Auch als Software für Laptop oder Computer sind die „Schlaumäuse“ verfügbar. Auf der Website werden Erzieher mit einer Vielzahl an Zusatzmaterialien versorgt, die sie nach der Registrierung kostenlos herunterladen können.

 

Eli Explorer

Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren können gemeinsam mit dem fliegenden Hasen Eli spielend ihren Wortschatz erweitern. Rund 100 gebräuchliche Wörter und kurze Sätze aus kindgerechten Wortfeldern wie Tiere, Farben und Wetter stehen in der App zur Verfügung. Die Kinder wählen die entsprechenden Bildobjekte an und können sich deren Aussprache anhören. Die App kann in zehn verschiedenen Sprachen gespielt werden. Sie kostet 2,29 Euro und ist zurzeit nur für iOS-Geräte verfügbar.

 

Dora and Friends HD

Dora and Friends HD ist eine interaktive Storymaker-App. Storymaking kommt aus dem Englischen und meint das Erfinden von Geschichten. Die App ermöglicht es Kindern, erfundene Geschichten aufzuzeichnen und mit passenden Figuren, Kulissen und Musikelementen anzureichern. Fertige Geschichten mit Ton und Bild werden in der App als Film gespeichert und können jederzeit wieder abgespielt werden. Mit dieser App lassen sich vor allem die sprachlogischen Kompetenzen eines Kindes fördern. Um zusammenhängende Geschichten zu gestalten, müssen sich die Kinder vorab genau überlegen, wovon ihre Geschichte handelt und wie die einzelnen Teilereignisse in der Geschichte zusammenhängen. Das Erzählte muss außerdem zu den Bildern der Geschichte passen. Die App kostet 3,49 Euro und ist sowohl für iOS- als auch für Android-Geräte verfügbar.

 

HP Reveal

Kaum eine Technologie stand dieses Jahr stärker im Fokus des öffentlichen Interesses wie Augmented Reality, kurz AR. Augmented Reality bezeichnet die Erweiterung der Realität um zusätzliche Elemente, wie Bild, Ton oder Text. Mit HP Reveal lassen sich AR-Umgebungen schnell und kostenlos selbst erstellen. Im Folgenden werden AR-basierte Praxisbeispiele, die mit der App erstellt werden können, für die Sprachförderung im Vorschulbereich skizziert:

  • Praxisbeispiel 1: „Wörterkartei 2.0“
    Wörterkarteien können bereits im Elementarbereich zum Einsatz kommen. Sie lassen sich mithilfe von HP Reveal vielfältig anreichern, mit Bild-, Video- und zusätzlichen Textelementen. Der Erzieher verknüpft die Wortkarten mit den jeweiligen Elementen, danach können die Kinder die Wortkarten mithilfe der App scannen. Zu den gescannten Wortkarten erhalten die Kinder dann die von den Erwachsenen hinterlegten Zusatzelemente, beispielsweise ein selbst erstelltes Video, in dem der gescannte Bildgegenstand mit Artikel mündlich und schriftlich benannt sowie in einem zusammenhängenden Satz gebraucht wird. Auf diese Weise können Erzieher gemeinsam mit den Kindern individualisierte, digitale Wörterkarteien erstellen, die an die Interessen der Kinder angelehnt sind und die jederzeit erweitern können.
  • Praxisbeispiel 2: „Bilder sprechen lassen“
    Wimmelbilderbücher faszinieren schon die Kleinsten unter uns. Mit HP Reveal können die Personen auf den Bildern zum Leben erweckt werden. Für die Praxis ergeben sich daraus verschiedene Möglichkeiten:

    Variante 1: Das Kind scannt die Person auf dem Wimmelbild mit der App ab. Es öffnet sich ein Video, in dem die gescannte Person einen kurzen, zur Bildsituation passenden Satz artikuliert. Das Kind wiederholt den Satz und fasst ihn anschließend mit eigenen Worten zusammen.

    Variante 2: Das Kind scannt mit HP Reveal einen Bildausschnitt, auf dem Personen zu sehen sind, die miteinander sprechen. Es öffnet sich ein Video, in dem zwei verschiedene Kurzdialoge gezeigt werden. Einer der Dialoge ist ein Beispiel für eine missglückte Kommunikation. Die Fragen und Antworten der abgebildeten Gesprächspartner passen nicht zusammen. Aufgabe der Kinder ist es, den missglückten Dialog zu identifizieren und somit strategische Sprachkompetenzen zu trainieren.

 

Fotos: Uni Saarland, CroMary / Shutterstock

 

Erveröffentlichung: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 3/2018, S. 32-34, www.fruehe-bildung.online

 

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