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Für die Praxis › Gesundheit & Ernährung
Veröffentlicht am 16.08.2018  Geschrieben von Redaktion

Hygiene in der Kita: Händewaschen

Hygiene ist in Kitas besonders wichtig. Das fängt beim Händewaschen an und hört beim richtigen Umgang mit Läusen noch lange nicht auf.

Die dreijährige Nina ist traurig, sie darf heute nicht in die Kita gehen. Der Kinderarzt hat gestern bei ihr die Hand-Fuß-MundKrankheit festgestellt. Dabei handelt es sich um eine ansteckende Viruskrankheit, bei der sich kleine rote Punkte oder Bläschen auf den Handfl ächen, an den Fußsohlen und im Mund bilden. Abgesehen von den unschönen roten Pusteln auf der Haut geht es Nina gut. Trotzdem sollte sie erst einmal zu Hause bleiben, bis keine neuen Bläschen mehr auftreten. Denn bis dahin ist sie hoch ansteckend.

 

Ninas Mutter hat nach der Diagnose gleich die Kita benachrichtigt. Die informiert nun mit einem Aushang am Schwarzen Brett die anderen Eltern über die bisher gemeldeten Vorfälle. Eine Meldung an das Gesundheitsamt muss bei dieser Infektionskrankheit aber nicht erfolgen. Auch wenn die Krankheit tückisch ist: Bis zu drei Tage, bevor Symptome wie Fieber, Halsschmerzen oder Hautausschlag auftreten, war Nina schon ansteckend. Außerdem können die Viren, sogenannte „Enteroviren“, laut Robert-Koch-Institut noch wochenlang über den Stuhl ausgeschieden werden. Umso wichtiger also, dass in der Kita streng auf Hygiene geachtet wird, damit sich Krankheitserreger wie diese nicht verbreiten können.

 

Jede Kita muss einen Hygieneplan vorlegen

Kitas müssen sich an Paragraf 36 des Infektionsschutzgesetzes, kurz IfSG, halten und sind dazu verpflichtet, einen Hygieneplan zu führen, der von allen Mitarbeitern befolgt wird. Die KitaLeitung ist für die Einhaltung verantwortlich. Hygienekontrolleure der zuständigen Gesundheitsämter überprüfen, ob er den Vorschriften entspricht. Einer davon ist Oliver Lauterbach. Er arbeitet seit 2003 beim Landratsamt Augsburg und besucht mit seinen Kollegen jährlich fast 200 Kitas. „Bei unseren Besuchen stellen wir häufig fest, dass die Hygienepläne unvollständig sind, manche Einrichtungen verwechseln ihn mit einem Reinigungsplan, damit ist es aber nicht getan“, sagt Lauterbach. Es reicht nicht, wenn darin nur aufgeführt ist, nach welchen Tätigkeiten die Mitarbeiter Hände waschen müssen und wie Spielzeug zu desinfizieren ist. Es muss vermerkt sein, welche Krankheiten meldepflichtig sind, Informationen über Gefahrenstoffe in der Einrichtung und genaue Anweisungen, wie der Mitarbeiter verfahren muss, wenn ein Kind Läuse hat oder auf den Boden erbricht. „Der Hygieneplan sollte eine Art Nachschlagewerk sein: ‚Was mache ich, wenn…?‘“, erklärt Lauterbach.

 

Träger und Kindertagesstätten ist es selbst überlassen, wer den Plan erstellt. Allerdings ist Hygieneexperte Lauterbach der Meinung, dass Mitarbeiter ohne Fachwissen nur in Ausnahmefällen in der Lage sind, alleine einen Hygieneplan anzufertigen, der vom Gesundheitsamt abgesegnet wird. „Ohne professionelle Hilfe ist das nicht möglich, welcher Erzieher kennt sich schon mit Schädlingsprophylaxe oder der Wechselwirkung von basischen oder säurehaltigen Reinigungsmitteln mit anderen Stoffen aus?“. Im Internet gibt es zwar Vorlagen – der Öffentliche Gesundheitsdienst in Baden-Württemberg bietet beispielsweise einen ausführlichen Musterhygieneplan für Kindertagesstätten –, allerdings muss der Plan an die Gegebenheiten der Einrichtung, wie die Räumlichkeiten oder verwendete Reinigungsmittel, angepasst sein. „Ich empfehle daher jedem Träger, einmalig das Geld in die Hand zu nehmen und eine professionelle Firma für die Erstellung zu beauftragen. Das kostet zwischen 400 und 800 Euro und dann hat man einen ordentlichen, auf die Kita zugeschnittenen Hygieneplan“. Langfristig spare das Geld – halten sich alle daran, gibt es weniger krankheitsbedingte Ausfälle bei den Mitarbeitern. Um geeignete Stellen für die Erstellung zu fi nden, können sich Einrichtungen vom zuständigen Gesundheitsamt beraten lassen. Gesundheitsämter dürfen aber keine Stellen empfehlen.

 

Das Gesundheitsamt hilft

Das staatliche Gesundheitsamt im Landratsamt Augsburg erhält oft Anrufe von besorgten Kindertageseinrichtungen. Meistens geht es aber nicht um den Hygieneplan, sondern um aktuelle Vorfälle in der Einrichtung. Vor allem bei Krankheiten seien sich die Fachkräfte häufi g unsicher, erzählt Lauterbach. „Im Moment häufen sich die Fragen zu Läusen, auch Krätze und Tuberkulose wird immer mehr Thema“, erzählt er. Diese Krankheiten nahmen in Deutschland in den letzten Jahren wieder zu und sind laut Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes meldepfl ichtig. Das Gesundheitsamt muss bei einem Vorfall schnellstmöglich benachrichtigt werden. „Häufen sich Krankheiten in einer Einrichtung, besuchen wir sie außerplanmäßig und schauen, wo beim Thema Hygiene vielleicht nachgebessert werden kann“, sagt Lauterbach. Im Normalfall werden die Kindertagesstätten alle zwei Jahre von Lauterbach und seinen Kollegen kontrolliert. „Uns geht es aber nicht darum zu beanstanden, sondern zu unterstützen“, betont er. Neulich sei er in einer Kita gewesen, die Konzentrat zur Desinfektion der Wickelkommoden verwendet, dabei seien Wipe-Desinfektionstücher deutlich einfacher zu handhaben und zählen nicht als Gefahrengut. Zu Hygienemanagement in der Kita gehört auch, Gefahrenquellen zu minimieren. Und für solche Tipps sind die pädagogischen Fachkräfte dankbar.

 

Vorbild sein für die Kinder

Grundvoraussetzung, damit Hygiene in Kitas überhaupt funktioniert, sei, dass das ganze Team das Thema ernst nimmt und im Alltag lebt, sagt Lauterbach. Auch, um den Kindern ein Vorbild zu sein. „Hygiene ist immer eine Teamleistung! Der Erfolg hängt vom Einsatz jedes Einzelnen ab. Vom Vorbild der Erwachsenen lernen die betreuten Kinder ‚quasi nebenbei‘ wichtige hygienische Verhaltensweisen für ihr späteres Leben“, heißt es im Vorwort des Hygieneplans des badenwürttembergischen Gesundheitsdienstes. Dazu zählt, den Kindern klarzumachen, dass richtiges Händewaschen dabei hilft, nicht krank zu werden, aber eben auch, selbst die Hände ordentlich zu waschen. „Sich selbst an die Hygieneregeln zu halten und im Ernstfall den gesunden Menschenverstand einzusetzen ist genauso wichtig wie der Hygieneplan. Man muss nicht tagtäglich die Türklinken reinigen, wenn aber ein Kind eine ansteckende Krankheit hat, dann eben schon“, sagt Lauterbach. Wenn Ninas Kita diese Tipps bereits umsetzt, dann stehen also die Chancen gut, dass sich kein weiteres Kind ansteckt – und von den lästigen Pusteln verschont bleibt.

 

WAS ZU TUN IST!

Wenn ein Kind Läuse hat:

  • Falls ein Erzieher bei einem Kind Läuse feststellt, dieses unverzüglich nach Hause schicken.
  • Gesundheitsamt sofort über Kopfl ausbefall informieren mit der Angabe von personenbezogenen Daten. 
  • Eltern anderer Kinder über das Auftreten von Kopfl äusen informieren.
  • Kind erst nach Bestätigung durch die Eltern über Behandlungserfolg wieder in die Kita aufnehmen.

Bei Infektionskrankheiten wie Norovirus, Windpocken und Röteln: 

  • Nach Feststellen der Infektionskrankheit bei einem Kind unverzüglich das Gesundheitsamt informieren. Eine Liste meldepfl ichtiger Infektionskrankheiten gibt es auf: www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__6.html 
  • Eltern der anderen Kinder nach Absprache mit dem Gesundheitsamt über das Auftreten der Infektionskrankheit informieren.
  • Das Kind erst nach ärztlicher Bestätigung, dass keine Ansteckungsgefahr besteht, wieder in die Kita aufnehmen.

 

Erstveröffentlichung: Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 3/2018, S. 44-46, www.fruehe-bildung.online

 

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Foto: makieni / Shutterstock



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